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Strom im MiniCamper

Nichts ist schlimmer als ein Blog, der nicht regelmäßig aktualisiert wird. Diejenigen von euch, die uns schon länger folgen wissen, dass wir beim Thema Stromversorgung schon einiges ausprobiert haben und auch den Ein oder Anderen Fehlschlag erleben durften. Damit Ihr nicht dieselben Fehler macht wie wir, anbei für Euch ein paar Tipps zum Thema Stromversorgung.

 

Recht Lange haben wir uns dem Thema Strom im Minicamper im Sinne einer Semi-Professionellen Lösung verwehrt und uns mit dem vorhandenen Bordstrom sowie eines kleinen Power-Packs (mobiler Akku) beholfen. Unsere Anforderungen an die Stromversorgung sind recht moderat, denn neben der Kühlbox ist unser größter Verbraucher die Standheizung und die benötigt man logischerweise nicht permanent. Merkt euch aber bitte folgendes: Eine Starterbatterie ist nicht dazu gedacht langfristig als Verbraucherbatterie zu dienen. Lasst uns das ganze aber einmal chronologisch betrachten.

 

Zu Aufwendig und zu teuer erschienen uns anfangs die Lösungen, die wir im Netz und in unzähligen Facebook Gruppen recherchiert hatten. Aktuell könnte man sowieso den Eindruck gewinnen, dass jeder noch so kleine Minicamper zwingend eine 100A Lithium Batterie In Verbindung mit Solar, Ladebooster, 2000W Inverter und Co benötigt um möglichst lange Autark stehen zu können. Alleine die Materialkosten summieren sich bei diesen Lösungen schon sehr schnell auf ca. 1.200 – 1.500,00 € je nach Ausstattung und Qualität. Hinzukommt, dass nicht jeder fit ist was das Thema Strom angeht und dabei lässt sich sehr viel falsch machen. Möglicherweise benötigt man also Hilfe eines Profis, der kostet dann auch noch einmal… Ihr seht, es wird schnell sehr teuer. Das zweite Thema was uns wichtig ist, der Kompromiss aus Alltagsauto und Minicamper. Wir haben schlicht und ergreifend einfach nicht den Platz um all dieses Equipment im Auto unterzubringen ohne dabei den Alltags nutzen unseres Gustav stark einzuschränken. 

Unser Credo zum Thema Stromversorgung im Minicamper lautet: 

  • Ein Minicamper ist und bleibt ein Minicamper, er ersetzt nicht den Luxus eines großen Wohnmobils, es gibt immer Einschränkungen. Wir wollen uns deshalb auf das nötigste besinnen und nur das verbauen, was wir auch wirklich brauchen. Dabei soll die Stromversorgung möglichst keinen Platz im Innenraum verschwenden
  • Die Kosten sollten die einer mobilen Lösung wie z.B. dem Goal Zero Yeti 500x nicht übersteigen und es muss genug Leistung vorhanden sein um die Standheizung betreiben zu können. Dafür benötigen wir eine Startleistung von min. 12 Ampere
  • Geladen wird entweder über die Lichtmaschine oder per Landstrom.

Was verbrauchen wir eigentlich an Strom? Wie müssen wir konzipieren?

 

Das ist der Beginn. Jeder muss sich zuerst Gedanken machen, wie viel Strom er verbraucht, welche Verbraucher hat man? Möchte man auch 230V? Wenn ja, wie viel Watt? Das ist eine reine Recherche Arbeit und muss eben einmal aufgeschrieben werden. Wir haben für uns ermittelt, dass wir mit einem 50A Akku und einem kleinen 100W Inverter gut auskommen werden. Auch wir haben uns bewusst für einen Lithium-Eisen-Phosphat Akku entschieden.

Bildquelle: AMAZON.de
Bildquelle: AMAZON.de

 Warum ein teurer Lithium-Eisen-Phosphat Akku?

 

Leser die uns schon länger folgen wissen, unsere Standheizung hing bisher an unserer Starterbatterie. Meistens ging das ganz gut. Als ich aber einmal bei -2 Grad im Camper übernachtete und logischerweise die Heizung komplett durch lief, schaltete die Heizung um 06:00 Uhr am Morgen ab. Was war passiert? Die Heizung erkennt, wenn die Spannungslage des Akkus zu sehr abfällt und schaltet sicherheitshalber ab. Das soll verhindern, dass die Starterbatterie zu leer ist, um das Auto noch zu starten. Bei uns ist das bei einer Unterschreitung von 11,3V eingestellt. Doch es gibt ein zweites Problem: Bei Unterspannung verbrennt die Heizung schlechter und kann Ruß ansetzen, das ist nicht gut für den Brenner und dieser kann beschädigt werden, bzw. sich zusetzen. Bei einer Lithium Batterie ist die Spannungslage nahezu bis zur völligen Entladung konstant und schwankt nicht so sehr wie bei AGM oder Säure Batterien. Bei diesen Batterien fällt die Spannung bei Kälte sehr schnell ab. Für die Standheizung ist also eine Lithium Batterie deutlich besser!

Wohin mit der Batterie?

 

Ein weiterer Vorteil von Lithium basierten Akkus ist das deutlich geringere Gewicht und die kompakten Maße. Unsere erste Idee war, den Akku hinter die Verkleidung im Heck zu bauen, da ist aber schon die Technik von unserer Standheizung untergebracht. Die zweite Idee war, den Akku liegend unter den Beifahrersitz zu montieren. Da der Sitz aber regelmäßig verschoben wird  und das ist sicher nicht gut für die ganzen Kabel ist, wurde auch das abgewählt. Dann kam uns die zündende Idee! Im Motorraum, bei uns ist da nämlich noch Platz! Hier ist die größte Herausforderung eine stabile Befestigung zu bauen, damit die Zweitbatterie auch sicher verstaut ist. Nach einiger Recherche wurden wir in Leipzig fündig. Johannes Blechkultur hat uns den entsprechenden Halter aus Edelstahl angefertigt.

Ganz wichtig! Alle Leitungen immer entsprechend dimensionieren und Absichern!
Ganz wichtig! Alle Leitungen immer entsprechend dimensionieren und Absichern!

Wie wird die Zweitbatterie geladen?

 

Unser Fahrzeug ist aus dem BJ 2017, das bedeutet wir haben einen sog. intelligenten Generator (EUR6) und keine stupide Lichtmaschine mehr. Vorteil, wenn nicht viel Strom verbraucht wird, schaltet der Generator ab, das führt zu einem geringeren Benzinverbrauch und auch die CO2 Werte sinken. Nachteil, es gibt keine stabile Spannungslage im Fahrzeug, die Spannung schwankt irgendwo zw. 11V - 14,9V. In der Regel merkt man nichts davon, da die Starterbatterie als Zwischenpuffer dient und deshalb alle Geräte weiterhin funktionieren. Zum Laden einer Zweitbatterie ist das aber Mist! Aus diesem Grund werden sog. Ladebooster oder auch B2B Ladewandler verbaut. Bei Fahrzeugen bis EUR5 löste man das mit einem simplen Trennrelais. Das kostet nur einen Bruchteil im Vergleich zu einem B2B Ladewandler.

 

Ein sehr gängiges Gerät ist der VOTRONIC 1212-30A Ladewandler. Dieses Ladegerät macht eigentlich nichts anderes, als die schwankenden Spannungslagen auszugleichen und eine stabile Spannung wieder herzustellen. 

 

Bitte VOR der Installation mit VOTRONIC in Kontakt treten!

Anhand der Seriennummer kann festgestellt werden, ob die aktuelle Firmware aufgespielt ist. Ist das nicht der Fall und Ihr verwendet ein EUR6 Fahrzeug in Verbindung mit einer Lithium Batterie, kann euch der Booster durchbrennen. Wir haben 3 Booster auf diesem Weg gekillt, bis wie an diese Information gelangt sind! Da unser Booster aktuell mit der neuen Software versorgt wird, laden wir die Batterie momentan nur über Landstrom auf. Dazu benötigt Ihr ein geeignetes Ladegerät wie z.B. das Victron IP65 12/15. Die Victron Geräte sind klasse und können alle gängigen Batteriestandards laden. Über eine App könnt Ihr einige Einstellungen vornehmen und den Ladevorgang überwachen.

Wie wird der Strom im Auto verteilt?

 

Die Standheizung hängt direkt an der Zweitbatterie, damit wir diese aber auch für andere Dinge nutzen können, haben wir uns folgendes überlegt. 

 

Am liebsten, hätte ich gerne die 3 vorhandenen Zigarettenanzünder Buchsen im Auto einfach an die Zweitbatterie geklemmt. Dann hätte man keine zusätzlichen Kabel ziehen müssen und hätte auch wiederum keinen Platz verschwendet. Diese Idee ist nach wie vor gut, bedeutet aber einen nicht unerheblichen Eingriff in die Bordelektrik. Außerdem, könnte man die Buchsen nicht mehr nutzen, wenn die Zweitbatterie einmal leer sein sollte. Es gäbe also keine Rückfall ebene. Also muss ein Kabel von der Zweitbatterie in den Innenraum gelegt werden. Das ist nicht so kompliziert, wie es klingt. Oberhalb des Kupplungspedals ist eine Durchführung in den Motorraum. Wenn man hier durch geht, kommt man hinter der Starterbatterie im Motorraum raus. Unsere Idee war, wir installieren im Innenraum eine weitere 12V Buchse die an die Zweitbatterie angeschlossen ist. An diese kann dann eine Art Verteiler angeschlossen werden oder wir schließen eben Geräte direkt dort an. Anfangs wollten wir uns einen solchen Verteiler selbst bauen. Alleine die Materialkosten beliefen sich aber schnell auf über 50,00 €. Wir haben dann eine sehr kompakte und passende, fertige Lösung gefunden.

Alternative für nicht Bastler: Wenn Ihr KEINE Standheizung habt und NUR eine Kühlbox, die Handys und ggf. die Drohnen Akkus o.ä. unterwegs laden wollt, holt euch einen sog. Solarakku.

 

Die gibt es mittlerweile von vielen Anbietern. Da unsere Zweitbatterie inkl. Booster vor unserem großen Road Trip 2020 die Grätsche gemacht hat, entschlossen wir uns nach reiflicher Überlegung für eine Yeti Goal Zero 500x  in Verbindung mit einem faltbaren 80W Solarfeld. Diese Kombination ist Klasse! Laden lässt sich bequem per Landstrom, über die 12V Buchse im KFZ während der Fahrt oder eben per Solar. Wir haben in unserem Sommerurlaub mit bis zu 60W über Solar geladen und konnten so ziemlich gut autark sein. Während der Fahrt werden ebenfalls ca. 60W Ladeleistung erreicht.

 

Jetzt noch eine Lösung für alle kreativen unter Euch :-)

Ihr könnt auch einen solchen Solargenerator dazu nutzen um eure Starter- oder Verbraucherbatterie zu laden, z.B. dann, wenn Ihr nicht die Möglichkeit habt über Landstrom zu laden, weil euer Auto bspw. auf der Straße geparkt wird und keine Steckdose in Reichweite ist. Zugegeben, das Verfahren klingt so als müsse man es belächeln, da natürlich durch die Umwandlung des Inverters unnötig Strom verbraucht wird, es kann sich aber dennoch in der Ein oder Anderen Situation als nützlich erweisen und funktioniert auch recht gut.

  • Landstromladegerät für die Zweitbatterie in den Solargenerator einstecken
  • Achtet bei der Auswahl eures Gerätes darauf, dass nicht die max. Werte eures Inverters überschritten werden
  • Solargenerator ist entweder voll geladen oder wird über das Bordnetz oder Solarpanel mit Strom gespeist. Somit nutzt ihr den Inverter eures Solarakkus um eure Zweitbatterie ohne B2B Wandler laden zu können. 

Warum sollte man so etwas tun?

Stellt euch vor, Ihr seid nach ein paar Tagen frei stehen mal wieder auf einem Campingplatz z.B. um zu Duschen, Wäsche zu waschen o.ä. Hier ist immer Strom vorhanden, oft auch bereits im Preis inkludiert. Jetzt ist es doch mehr als Bequem, die Batterie einfach über Landstrom in der Kürze der Zeit wieder voll aufzuladen. Dafür habt Ihr ein Ladegerät mit und sollte euch euer B2B Wandler unterwegs aussteigen, könnt Ihr wie oben beschrieben überbrücken.

 

In unserer Videoserie zum Thema Strom teilen wir gerne unser Wissen mit euch. Ein viertes Video folgt dazu in Kürze.

Video Playlist: Stromversorgung im Caddy

In Kürze erscheint noch ein drittes Video, da wir noch einmal ein paar Verbesserungen vorgenommen haben und euch diese natürlich auch gerne zeigen möchten. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 8
  • #1

    Steffen (Donnerstag, 13 August 2020 08:16)

    Ein echt cooler Beitrag und die Videos find ich super.
    In der Form habe ich für das Projekt "Stromversorgung" keinen besseren Beitrag gefunden.
    Kleine Anregung; Schön wäre eine Übersicht über das Material, dass macht das "nachbauen" einfacher. VG

  • #2

    Micha (Montag, 09 November 2020 01:39)

    Hallo Juri, wie betreibt ihr die Standheizung an der Yeti ?
    Gruß Micha

  • #3

    Juri (Dienstag, 10 November 2020 14:26)

    Hi Micha,

    wie im Artikel beschrieben wird die Standheizung nicht über die Yeti sondern über die eingebaute Zweitbatterie versorgt.

  • #4

    Klaus (Samstag, 14 November 2020 22:25)

    Hey, klasse Beitrag!

    Du schreibst "Achtet bei der Auswahl eures Gerätes darauf, dass nicht die max. Werte eures Inverters überschritten werden "
    Welches Gerät meinst du? Du hast doch den Yeti500x und das genannte Ladegerät verwendet. Die Kombi hat funktioniert . Woran könnte es scheitern?

  • #5

    Juri (Sonntag, 15 November 2020 10:21)

    Hey Klaus,

    damit meine ich folgendes: Wenn wie hier beschrieben, die Yeti Goal Zero als Steckdosen Ersatz dient und dort Geräte mit 230V eingesteckt werden, sollte darauf geachtet werden, dass nicht mehr Leistung gezogen wird als die max. 300W welche die Yeti aus dem Inverter liefert. z.B. würde ich hier kein Ladegerät anschließen, das konstant 30A zieht, da dann permanent mehr Leistung entnommen wird, als du gleichzeitig über Solar oder ähnliches wieder einspeisen kannst.

    Hat dir das geholfen?

    VG Juri

  • #6

    Klaus (Sonntag, 15 November 2020 18:58)

    Ja, wenn ich das richtig verstehe, zieht das von dir genannte Ladegerät max 15 A... das würde dann gehen, richtig?

    Bin bei mir noch unschlüssig, ob ich mir nen komplettes Zweitbatteriesystem aufbaue oder mit der Starterbatterie, dem Yeti, Batterielader + Jumpstarter für den Notfall nicht auch zurechtkomme. Wir sind eher Gelegenheits-Freisteher und vorrangig mit Landstrom versorgt.

  • #7

    Juri (Sonntag, 15 November 2020 20:34)

    Hi Klaus,

    ja die 15A bedeuten bei 12V ungefähr 180 Watt, damit hat der Inverter noch genug Puffer.
    Eine sehr gute Beratung zu Ladegeräten und co. bekommst du bei https://shop.berufsurlauber.de André Küchler kennt sich sehr gut aus und kann fast alles besorgen, was du benötigst. An deiner Stelle würde ich erstmal mit einer mobilen Lösung starten. Das reicht oft aus, wir haben die Zweitbatterie vorrangig wegen der Standheizung.

    Viele Grüße

    Juri

  • #8

    Klaus (Sonntag, 15 November 2020 21:17)

    Prima, danke!